2011 im Rückblick

Das Jahr neigt sich dem Ende zu und so gilt es nochmals das Jahr Revue passieren zu lassen. Das Footballereignis des Jahres war eindeutig die WM. Zwar hat man dort sportlich das Ziel klar verfehlt und sich als Nummer 3 des alten Kontinents wieder einmal hinten angestellt, aber dann zumindest noch Australien geschlagen.

Die WM ist jedenfalls vorbei. Das Gefühl direkt danach war wie zwei Tage nach meinem Uniabschluß. Zuerst arbeitet man jahrelang auf ein Ziel hin und irgendwann ist es nach einem kurzen Höhepunkt in wenigen Tagen oder Stunden vorbei. Der Unterschied bei einem Studium ist aber jedenfalls, dass der Abschluss der Endpunkt eines Weges ist. Das ist die WM für den österreichischen Football eben nicht. Es soll ein disruptives Ereignis sein, dass die verflachenden Zuwächse an Zuschauern und Umfeld zu einem Sprung nach oben bewegt. Das gilt nicht nur für Football sondern ist auch in anderen Sportarten immer wieder zu beobachten. Siehe Handball EM in Österreich, die plötzlich im medialen Fokus gestanden ist.

Betrachtet man das komplette Bild, dann ist der Sprung nach oben ja sogar bereits zuvor passiert. Die Austrian Bowl im Happelstadion war das erste Spiel des WM-Hypes. Den AFBÖ hat das vollkommen unerwartet erwischt. Die Anzahl der Kassen war dem Spardiktat etsprechend auf ein Minimum reduziert und plötzlich stehen Leute bis zur Halbzeit vor den Kassen. Unglaublich geil und peinlich gleichzeitig. Soviele Zuschauer hat bisher noch kein österreichisches Footballspiel gesehen. Ich muss zugeben dass es mich sehr bewegt hat, dass ich anstatt des befürchteten eher leeren Betonovals plötzlich eine unglaubliche Menge an enthusiastischen Fans sehen durfte.

Die sensationelle Kulisse in der Austrian Bowl hat dann auch sehr dazu beigetragen dass der ORF sich hier stark engagiert hat. Originalton eines ebenfalls überraschten Hans Trost (ORF Sportchef): ” Das ist eine super Sache!”. Eine super Sache natürlich auch deswegen, weil der ORF auf ORF Sport Plus Inhalte braucht, bei denen man die Zuschauer zumindest in tausenden messen kann.

Aber das war erst das Vorspiel zu dem was danach kommen sollte. Die Webseite der WM konnte sich an ihren guten Tagen von 600 – 1.000 Besuchern pro Tag auf rund 35.000 Besucher pro Tag verbessern.

Im selben Ausmaß stieg auch das mediale Gesamtinteresse. Selbst in sonst vollkommen Football-Scheuen Medien tauchten plötzlich jede Menge Artikel auf. Eher auch auf den Lifestyle Seiten. Football sieht eben einfach gut aus und auch wenn man gerne mehr im Sportteil ankommen würde, ist eine Fotoserie in Hochglanz vielleicht doch einprägsamer.

Selbst die Neudefinition eines Downturners in Form des Spiels gegen Frankreich konnte den Schwung der WM nicht zum Stillstand bringen.

Nach der WM hat sich die Mehrheit der Österreichischen Teams entgegen der Empfehlungen des AFBÖ Vorstandes dazu entschlossen keine AFL mehr zu spielen. Dabei gab es wirklich interessante Ideen. Die mir persönlich interessanteste war für ein Jahr AFL und Nachwuchsmeisterschaft zu tauschen und die AFL ab August zu spielen. Leider waren die Teams hier nicht Willens sich auch nur einen Millimeter zu bewegen. Meine Interpretation der Dinge ist, dass entweder Lahmheit oder das Schielen auf die eigenen kleinkarierten Vorteile hier jede andere Lösung verhindert hat. Einfach schade.

Wieviel von dem Schwung in eine AFL 2012 mitgenommen werden kann, wird man sehen. Sowohl in Graz, als auch in Wien werden kommende Saison einzelne Spiele in größerem Rahmen abgehalten um zu sehen, ob man hier wieder einen Schritt nach oben machen kann. Ohne WM wäre man hier wahrscheinlich noch vorsichtiger gewesen. Ob das klappt steht in den Sternen, man probiert es aber zumindest.

Die Raiders konnten erstmals das Double holen und während man meinen sollte, dass damit Innsbruck in einer kollektiven Hochstimmung schwebt, trennen sich die Raiders von ihrem langjährigen Manager Daniel Dieplinger. Die Presseaussendung dazu ist entgegen dem sonst sehr wortreichen Stil besonders knapp. Das hätte man sich als Außenstehender anders vorgestellt.

Die Raiders sind aber nicht das einzige Team mit organisatorischen Veränderungen. Die Graz Giants haben anscheinend mit Christoph Schreiner einen neuen Manager. Erfahren kann man das aber derzeit nur über die Buschtrommeln von Football-Austria. Die Webseite der Giants wurde rechtzeitig zum 30. Geburtstag offline genommen.

Die Vikings haben ihr Office um gleich zwei Personen verstärkt, die dabei helfen sollen den Anschluss an die Raiders nicht zu verlieren. Damit geht ebenfalls eine von außen aber weniger sichtbare Ära zu Ende. Felix Hoppel konzentriert sich auf sein Geschäft und wird nicht mehr als General Manager der Vikings arbeiten.

Damit haben wir bei 3 Teams relativ starke Veränderungen, bei denen es interessant wird, wie die Teams damit umgehen und ob man eingetretene Pfade verlässt oder alles weiterläuft wie bisher. Bei den Raiders wird es für einen Nachfolger besonders schwer. Im Jahr nach einem Double ist die Luft für eine Steigerung sehr dünn. Bei den Giants wird Christoph Schreiner sicher einige Verbesserungen bringen die Frage wird aber sein, ob er auch genügend Unterstützung erhält, damit die seit Jahren etwas anämische Gesamtorganisation der Giants auch hier aufholt. In Graz war der Sport aber immer das zentrale Element und das Rundherum weniger wichtig. Am wenigsten wird man bei den Vikings merken, da dort mit Karl Wurm alle Fäden klar in einer Hand liegen. Der Job liegt eher in der Abarbeitung von Ideen und weniger im Schaffen nicht vorhandener Strukturen.

Zwei Dinge wünsche ich mir jedenfalls für 2012:

1. Dass die WM-Welle doch irgendwie überschwappt (auch wenn ich da nur verhalten optimistisch bin)

2. Dass die Rangers als AFL Newcommer entgegen allen Vorzeichen eine herzeigbare Saison spielen und nicht dem Beispiel aus Salzburg oder St. Pölten folgen

 

 

2 comments
  1. die idee einer gleich angehängten saison im august klingt von außen gesehen vielleicht interessant wäre aber nicht wirklich umsetzbar gewesen. und hier geht es nicht um irgendetwas organisatorisches, sondern einzig und allein um die spieler. jeder der football in den letzten jahren selbst gespielt hat weiß wie hart der sport inzwischen geworden ist. daher wäre es fahrlässig die spieler ohne vernünftige offseason wieder auflaufen zu lassen. verletzungen in ungeahnter zahl wären vorprogrammiert. da das krafttraining in der saison nun einmal den kürzeren zieht braucht man die offseason dringend. abgesehen davon hatten alle nationalteamspieler, die einen nicht unwesentlichen teil der starter in der afl ausmachen, eine anstrengende vorbereitung plus wm in einer affenhitze hinter sich. keiner von ihnen wird fürs spielen bezahlt. jeder muss bei einer verletzung seinem arbeitgeber rechenschaft ablegen. das spiel muss immer noch spaß machen solange es ein amateursport bleibt. es soll nicht zur qual werden. ich weiß nicht ob Sie, lieber autor, das nachvollziehen können und ich verstehe Ihre argumentation doch all die publicity, die möglicherweise mitgenommen werden hätte können wäre die vielen verletzten und den verlorenen spaß am spiel meiner meinung nach nicht wert gewesen.
    MFG Christoph

    1. Was hat das mit Verletzungen zu tun, wenn man von August/September bis November spielt anstatt von April bis Juni?
      Genau nichts meiner Meinung nach. Das sind 3-4 Monate am Stück und Football ist zumindest in den USA auch Wintersport.

      Warum das Verletzungen vorprogrammiert würde mich ehrlich interessieren. Zudem spielt man zB im Nachwuchs sehr wohl ASKÖ-Cup vor dem Sommer und dann Meisterschaft im Herbst. Dort scheint also selbst ein Split kein Thema zu sein.

      Unter dem Strich bleibt für mich, dass man immer alles macht, aber halt nur, wenn man sich dadurch einen unmittelbaren Vorteil verspricht oder es dem Bedienen der eigenen Klientel hilft. Wenn einem nichts mehr einfällt kommt das Argument mit der Sicherheit der Spieler. Nicht dass das ein schlechtes Argument ist, es wird aber in 80% der Fälle nur aufgegriffen, um einen anderen Zweck zu transportieren.

      (Und der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass ich nach 15 Jahren AFL mit geschätzten 13 verschiedenen Ligasystemen und auch sehr langen Saisonen einen Eindruck davon habe, was eine Saison aus einem macht.)

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