raiders.tv goes Red Bull

Neben dem Finaleinzug der Raiders gibt es diese Woche noch einen ganz wesentlichen Schritt in der Footballszene. Raiders TV wird erstmals auch auf Red Bull gezeigt. Das kann in Zukunft vieles ändern.

Wie die meisten Beobachter der Szene wissen gibt es 2 grundsätzlich verschiedene Ansätze zum Thema Streaming.

  1. Free Stream
  2. Pay per View

Free

Der freie Stream ist bisher die einzige Form des live IP-TV(Fernsehen über das Internet), das man im österreichischen Football antreffen konnte*. Raiders TV geht mittlerweile in das 3. Jahr und bietet dabei technisch und inhaltlich eine sehr professionelle Leistung. Man steigert sich jedes Jahr und befindet sich auf Augenhöhe mit professionellen Broadcastern, die vielleicht mehr Mittel, aber zumeist weniger Ahnung von der Materie haben.

Die Raiders sehen in dem Stream ein PR-Mittel, das ihnen erlaubt sich auf einer internationalen Bühne darzustellen. Die Pressearbeit muss ja insgesamt als führend im österreichischen Football bezeichnet werden. Sebastian Stolz beglückt 10 Minuten nach Spielschluss egal welcher Unit den Presseverteiler mit vernünftigen Aussendungen, die immer auch Bilder enthalten.

Das Stadion ist regelmäßig sehr gut besucht, wie bei anderen Vereinen, sind Fortschritte in der Zuschauerzahl aber nicht mehr einfach mit dem freien Auge zu erkennen. Karten werden dabei regelmäßig zu Promotions im großen Stil gratis verteilt. Das ist weder schändlich noch ein schlechter Ansatz. Einerseits beweist man, dass man damit das möglicherweise größte Budget der Liga aufstellen kann, andererseits erhalten andere Vereine (Hot Volleys) sogar Preise für ein derartiges Vorgehen (Gratis-Einladung von Schulklassen).

Produziert wird der Stream von Alban Egger und Michael Trawöger, die hoffen aus Raiders TV ein Produkt zu machen, dass ihnen irgendwann ihre Vorinvestitionen wieder hereinspielt. Beide sind wahre Footballfans und investieren heute noch eigenes Geld/eigene Zeit (offiziell wird das nicht kommentiert).

Bis heuer wollten sie raiders.tv nur über die eigene Schiene vermarkten. Seit diesem Jahr gab es aber bereits eine Kooperation mit Football-Austria und jetzt auch zusätzlich noch mit Red Bull. Der letzte Schritt könnte das freie Streaming den entscheidenden Schritt weiterbringen. Natürlich wollen die Firmen Eggermedia & Connexion irgendwann Geld herausbekommen und nicht mehr hineinstecken.

Der einzige Weg zu Einnahmenn in einem freien Modell ist der Verkauf von Werbung im Stream**. Die breite Basis von Red Bull könnte hier einen Durchbruch bedeuten. Gelingt es über diese Quelle die Produktionskosten abzudecken, dann funktioniert das Free-Modell und wird sich auch auf andere Veriene umlegen lassen.

Führt die Verbreitung über Red Bull allerdings nicht zu nachhaltigem Werbungsverkauf, dann ist das Free-Modell in AFL-Breite nur machbar, wenn die Vereine die Rechnung selbst bezahlen.

Die derzeitige Rechnung der Zuschauerzahlen in den Streams ist etwas unüblich, da beispielsweise davon ausgegangen wird, das jeder Stream zu Zweit angesehen wird und damit alle Zahlen automatisch verdoppelt werden. Ob das für die potentiellen Werber nachvollziehbar ist, wird die Zukunft weisen.

Pay

Die Pay per View Fraktion findet sich im Kern bei den Raiffeisen Vikings, die sich nicht als Medienunternehmen verstehen. Die Produktion eigener Streams würde nur dann Unterstützung finden, wenn man es schafft, dass diese zumindest kostendeckend sind. Das hat man bisher nicht geschafft und daher gibt es auch bis heute keinen eigenen Stream.

Die Vikings- PR Arbeit ist positiv gesehen hocheffizient. Es wird getan, was für die Werbewertanalyse etwas bringt. Der Rest wird eher knapp gehalten. Zwar gibt es auch hier neue Gesichter, aber so rund, wie bei den Raiders läuft das noch nicht. Unter dem Strich ist man eher nicht experimentierfreudig und macht das, was anscheinend gut läuft.

Ein Live-Stream ist hier kein PR-Instrument, auf das man gewartet hat. Bei niedrig angesetzten Kosten von rund 3-4.000.- EUR pro Heimspiel bräuchte man zusätzlich rund 20.000.- EUR, die man eher in Inserate, Plakate und Radiospots investieren würde. Ein entsprechender Posten befindet sich in jedem Budget der letzten Jahre und wurde noch jedes Jahr aus Geldmangel wieder gestrichen.

Zusätzlich zu den Produktionskosten glauben die Vikings, dass einige Zuschauer – insbesondere bei Schlechtwetter – nicht ins Stadion kommen, sondern lieber zuhause bleiben. Damit steigen die Kosten des Streams um ein weiteres Stück von rund 500.- EUR.

Bisher geht man also von Kosten iHv rund 22.500.- EUR aus, die man in Ermangelung erzielbarer Werbeeinnahmen aus anderen Quellen aufstellen müsste. Hier denkt man, dass man eher den interessierten Zuseher zur Kasse bitten müsste, für den man die ganze Chose auch produziert.

Die Vikings benötigen den Kartenverkauf, um ihr größtes Projekt – die Ravelinstraße – zu finanzieren. Hier gibt es praktisch keinen Spielraum. Daher gibt es auch keine Streamerlaubnis auf der Hohen Warte.

Conclusion

Now or Never! Wenn Red Bull die Vermarktung der Streams so verbessert, dass es zumindest die laufenden Kosten einspielen, dann werden die anderen Teams bald nachziehen wollen. Und dann können sie sich das auch leisten. Es wäre dann sogar denkbar und wünschenswert, dass Connexion und Eggermedia die ganze Liga abdecken. So lassen sich Synergien mit allen Teams erzielen. Der AFBÖ könnte sich glücklich schätzen, mit den beiden zusammenzuarbeiten.

Ist nach 2-3 Streams via Red Bull aber Anfang nächstes Jahr noch immer nur Filznickel als Sponsor vorhanden, dann kann man die Vermarktung über Werbeeinnahmen getrost hinten anreihen. Dann kann man sich überlegen ob man das Pay per View-Modell zumindest ausprobiert, oder Live-Streaming eine Freak-Beschäftigung bleiben wird.

 

 

*Stimmt nicht ganz, auch die Dragons haben das versucht, damit aber – möglicherweise aufgrund technischer Probleme – umgehend wieder aufgehört.

Football Austria streamt immer wieder von einer Webcam, was aber technisch deutlich unter Raiders TV bleibt (aber auch nicht mehr sein will).

** Und natürlich das Sponsoring durch den Verein selbst.

1 comment
  1. Schön geschrieben.

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