EFAF General Assembly

Dieses Wochenende findet die Generalversammlung der EFAF in Budapest statt. Diese Versammlung bringt die Delegierten aller Verbände Europas an einen Tisch. Normalerweise sind die Meetings eher unaufgeregt und trotz ihrer großen Bedeutung für alle internationalen Belange schaffen sie es normalerweise nicht größtes Interesse anzuziehen. Heuer ist das anders. Um den EFAF Präsident Robert Huber ist eine veritable Schlammschlacht ausgebrochen. Die Vorgänge vor Ort sind eine inhaltliche Bankrotterklärung für die europäische Zusammenarbeit. Persönliche Befindlichkeiten in Kombination mit einem übereifrigen Juristen ergeben ein Wochenende vollkommen verschwendeter Zeit für alle Beteiligten.

Im Rahmen der letzten General Assembly der EFAF ist es zu einem Ausschluss der Holländischen Federation gekommen. Das EFAF Gremium, das diesen beschlossen hat (das Board), war dazu nach den Statuten nicht berechtigt. Ausschlüsse sind Sache der Generalversammlung. Allerdings lag dem Board ein Schreiben vor, in dem jemand schriftlich die Holländische Mitgliedschaft kündigte. Nachdem Holland dieses zu diesem Zeitpunkt angeblich mehrfach angedroht hatte, wurde das Schriftstück nicht mit anderen Schriftstücken der Holländer verglichen. Es konnte aber bis heute nicht geklärt werden, wer diesen Austritt (in den Statuten auch nicht vorgesehen) versendet hat. Dieser Umstand wurde auch nicht zur Anzeige gebracht.

Pikanterweise wollte man von holländischer Seite einen Gegenkandidaten zu Huber aufstellen, der dann nicht teilnehmen konnte. Gegner von Hr. Huber vermuten daher sogar in besonders kreativen Stunden, dass der geheimnisvolle Brief vom Präsidenten der EFAF selbst stammt. Diese Vermutung sagt wahrscheinlich mehr über das Mindset der Leute, die das vermuten, als über Robert Huber, der diesen Brief mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht geschrieben hat.

Seit dieser Vorgänge rumort es hinter den Kulissen der EFAF. Die Verbände von Dänemark, Schweden,  Norwegen und Polen machen sich seither dafür stark Robert Huber zu Fall zu bringen.

Grundsätzlich ist das ja ein demokratischer Vorgang und es ist normal, dass man sich irgendwann von der jeweiligen Führung und ihren Mitgliedern entfremdet und diese nicht mehr haben möchte. Das ist nicht nur kein Charakterfehler, sondern ein vollkommen legitimer demokratischer Vorgang.

Aber genau zu diesem Zeitpunkt beginnen beide Seiten ohne Rücksicht auf Verluste zu agieren. Die Feststellung, wer angefangen hat, ist aus Sicht des Footballs wenig erleuchtend. Der Punkt ist, dass ab diesem Zeitpunkt die Zeit und das Geld, das für Football aufgewendet werden sollte, in anderen Kanälen versickert.

Die Gegner beginnen Anträge um 23:59 des Stichtags zu senden, man zitiert Leute vor Phantasie-Komissionen, man richtet sich über die Medien gegenseitig aus, wie wenig man von einander hält, zieht rund viermal vor Gericht, erwirkt einstweilige Verfügungen, beschäftigt Medienrechtler usw. usw. Das Ende ist dabei noch lange nicht in Sicht.

Wie weit man von inhaltlichen Dingen entfernt ist, zeigt dabei die Tatsache, dass der erste große Streit zur Agenda entflammte. Das Board hatte vorgeschlagen zuerst darüber abzustimmen, ob die Holländer jedenfalls wieder EFAF-Mitglied sind. Damit wäre die Ungewissheit über deren Status sofort gelöst worden.

Es geht zu diesem Zeitpunkt aber schon lange nicht mehr um Holland, um gefälschte Briefe oder gelebte Demokratie. Weil der Holländische Verband EFAF-Board freundlich ist, ist deren Wiedereinsetzung als Mitglied der erste Stein des Anstoßes für die Anti-Huber Gruppe.

Der anwesende deutschen Anwalt bekämpft das mit allen Mitteln. Dieser behauptet laufend, dass das Board nicht berechtigt sei bestimmte Dinge vorzugeben, gesteht sich diese Freiheit für die eigenen Anträge aber jederzeit gerne selbst zu. Die laufenden Drohungen alles vor Gericht zu bekämpfen, lähmt dabei die Sitzung so, dass diese eigentlich nie richtig anfängt.

Man muss kein Genie sein um zu erkennen, dass Verbände, die sich zunächst daran erregen, dass ein armer holländischer Verband ausgeschlossen wurde, sich aber umgehend gegen dessen sofortige Rückkehr aussprechen, weil die Holländer zu EFAF freundlich agieren, jede Glaubwürdigkeit verlieren. Es geht nicht um die Sache, sondern nur mehr um tatsächliche oder eingebildete persönliche Verletzungen.

Die Kontrahenten nehmen die ganze Sache mittlerweile sehr persönlich. Aufgrund der Ereignisse ist das auch zu verstehen. Robert Huber kann eine halbe Seite in der Süddeutschen Zeitung, in der ihm allerlei Grauslichkeiten vorgeworfen werden als Berufspolitiker nicht gebrauchen. Man greift hier seine berufliche Basis an, darauf muss er reagieren. Andererseits veranstaltet er auch alle Mätzchen um sein gegenüber in die Ecke zu drängen. Auch nicht die feine englische Art.

Diese persönlichen Verletzungen sind substanziell und für die betroffenen Personen auch subjektiv wichtig. Für Football in Europa sind diese aber unnötiger Ballast. Sie vergiften das Klima und lähmen jede Weiterentwicklung. Daher ist es wichtig, dass für den Sport ganz pragmatisch und kontinuierlich gearbeitet wird. Persönliche Dinge sollten von den idealen Delegierten am besten an der Garderobe abgegeben werden.

Es ist eine Schande, dass 22 Verbände aus ganz Europa anreisen und dass die von Footballspielern & Vereinen finanzierten Verbände ihr sauer verdientes Geld für Anwälte ausgeben um letztlich überhaupt nichts zustande zu bringen.

PS: Ein Ergebnis gab es dann doch noch. Der Misstrauensantrag wurde zurückgezogen. Bis Oktober soll eine Gruppe gebildet werden, die eine Novellierung der Statuten vorbereitet, die einstimmig beschlossen werden kann, damit die Pattsituation irgendwann überwunden werden kann.

PPS: Für den Österreichischen Football ist der Streit damit bis nach der WM vertagt und wir  haben auch noch eine EFAF und keine Spaltung. Das hätte auch schlechter laufen können.

 

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